Zwei alte Schätzchen – Die Große

Heute mal ein ganz anderes Thema: Ich bin bei Ebay eingefallen. Eigentlich hatte ich nur nach Werkzeug geguckt und dann sah ich sie: Ein Etwas in der Art einer Schlangenhalslaute! Nun muss ich dazu sagen, ich hab mich schon eine ganze Weile mit ganz alten Instrumenten beschäftigt – was es da nicht alles gibt! – das ist ein angenehmer Zeitvertreib im Netz, wenn man nachts nicht schlafen kann. Dabei hab ich auch alles Mögliche über Lauten gelesen und mir auf Museums-Seiten angeschaut. Besonders war mir eine Angelique aufgefallen, die recht einfach zu spielen gewesen sein und einen harfenähnlichen Klang produziert haben soll. Irgendwann mal wollte ich so etwas bauen, wenn ich richtig fit in diesem Hobby bin. Aber ich konnte mir trotz der Fotos auch von Theorben nie vorstellen, wie so ein Schlangenhals in natura denn nun wirklich aussieht. Und ausgerechnet bei Ebay läuft mir so etwas über den Weg! Ich hab mir das Teil dann in Ruhe angeguckt und mich spontan verliebt. Schon allein der Steg sieht wunderschön aus. Es ist eine deutsche Basslaute aus der Wandervogelzeit, 1900-1930 so in etwa.

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Das alte Schätzchen ist ganz schön ramponiert. Aus der Decke ist sogar einmal ein Stück herausgesägt worden. Und da musste ich sie einfach retten. Man stelle sich das vor: Da hat dieses Instrument zwei Weltkriege und wer weiß was noch so alles überlebt, und dann sägt da einer was raus! Aus einem Instrument! Wie kann man nur!!! Diese Basslaute ist irgendwas zwischen über 80 und 110 Jahre alt, sie muss einfach gerettet werden. Klar ist, dass sie eine neue Decke braucht und neue Bünde, aber das habe ich mir von Anfang an zugetraut. Die herausgesägte/herausgebrochene Rosette (Kopfschüttel) wird dabei gleich erneuert und die auseinander klaffenden Späne der Muschel wird man irgendwie schon wieder zusammenfügen können, ggfs. zwei, drei Späne ersetzen. Keine Ahnung wie, aber das werd ich noch herausfinden. Außerdem stelle ich es mir leichter vor, ein vorhandenes Instrument zu reparieren als eines von Grund auf zu bauen. Und der Verkäufer schrieb auch noch, dass man die Basslaute als Ersatzteilllieferant nehmen könne – Kopfschüttel. Ich kann sowas nicht nachvollziehen. Also hab ich das Schätzchen ersteigert und damit erst einmal gerettet. 🙂 Ich gebe mal zu, darauf so ein klein bisschen stolz zu sein… 😳 Allerdings ist die Muschel schlimmer beschädigt als auf den Auktions-Fotos zu erkennen. Wenn ich hier so an der Kiste sitze und mich zu der Basslaute umdrehe, kann ich durch das Schallloch eine fette Ritze im Korpus sehen, durch die die weiße Wand durchscheint. Zwei Korpusspäne sind richtig übel gebrochen.

Das arme Schätzchen. Allerdings bin ich mir inzwischen gar nicht mehr so sicher, ob meine Zuversicht, sie gut reparieren zu können, wirklich so gerechtfertigt war…

Tja, und nachdem ich das Schätzchen entdeckt hatte, hab ich mir erstmal Infos zur deutschen Basslaute im Allgemeinen und meiner im Besonderen reingetan. Was mich besonders freut: Sie ist eine 12saitige, die sind relativ selten. Viel häufiger sind die 10-Saiter. Der Hals ist tadellos. Sie hat sogar noch die originalen Mechaniken mit allen alten Knöpfen, da ist mir neulich erst ein Video über den Weg gelaufen, wie man die Dinger nach all den Jahrzehnten wieder gängig und schick hinkriegt. Jetzt muss ich das nur noch wiederfinden… Ich hab auf Fotos Basslauten mit Stegen gesehen, die dem hier sehr ähnlich waren, aber nur grob ausgearbeitet waren, lange nicht so schön und sorgfältig wie bei meiner. Und sie ist eine mit den „richtigen“ Wirbelkästen, nicht eine mit zwei versetzten Gitarrenköpfen, was ich recht hässlich finde. Jedenfalls, wenn ich wieder meine Zweifel bekomme, ob ich das alte Schätzchen wieder hinkriegen kann, dann bestätigt mich all das darin, die Reparatur doch irgendwann zu wagen.

Ich weiß auch schon, wie sie gestimmt wird, wenn ich sie soweit fertig habe: Kontragitarrenstimmung (die Griffbrettsaiten wie bei einer Gitarre und die Basssaiten entsprechend anders herum). Und ich habe herausgefunden, wie man Gitarren (und damit auch Gitarrenlauten) am besten lagert: Nicht in einer Instrumententasche irgendwo verstaut. Nein, man hängt das Teil am Hals einfach auf. Das Ganze hat also auch noch einen Deko-Effekt. 🙂 Ein Instrument als Deko. Irgendwie schon ein bisschen dekadent. Aber mal so ein bisschen dekadent sein … 😎

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Chrotta, die nächste: Vom Entwurf zum Muster

Jetzt habe ich nun einige hässliche Lernaufgaben und Vorarbeiten hinter mir. Meine Skizze des Instruments war ja schon recht genau, aber nun musste der richtige Plan gemacht werden, nach dem ich die Umrisse auf das Holz übertragen kann. Wen wundert‘s, die Skizze war doch noch in einigen Teilen zu überarbeiten. Da war noch einiges zu groß oder zu klein, an der falschen Stelle oder schief. Mit dem Plan bin ich jetzt richtig zufrieden

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… und habe ihn mithilfe von Kohlepapier zur Längshälfte auf ein zusammengeleimtes dünnes Pappelsperrholz übertragen. Auf einer Seite angetackert, damit der Plan nicht verrutschen kann. Ging übrigens gut, das Kohlepapier von der anderen Seite her zwischen Papier und Holz zu schieben und festzuhalten. Ach so – die Längshälfte deshalb, damit ein wirklich symmetrisches Instrument herauskommt. Tja, die Umrisse habe ich nun ausgesägt, wobei sich meine Japansäge wieder einmal sehr bewährt hat. Ich kann die Dinger wirklich nur empfehlen.

ubertrag

vorlage

Sieht ja schon etwas profimäßig aus. 😉 Und nun muss ich noch das Schallloch und den Griff heraussägen. Ich bin froh, dass ich das zuerst auf Abfallholz ausprobiert habe. Mein Lochsägenset, das ich vor zwei Jahren oder so für Arbeiten mit Speckstein besorgt hatte, habe ich jedenfalls nach dem Test entsorgt. Wegen erwiesener Untauglichkeit. Mit einer Laubsäge kriege ich keinen anständigen Schnitt hin und das ist noch sehr freundlich formuliert. Wie mein Großvater anno Kniffel mal sagte, wenn da ein Floh drauf läuft, wird er ja besoffen. Leider keine Übertreibung in diesem Fall. Obwohl der ultimative Flohtest mangels Flöhen ausfallen musste.

Tja, aber wie geht das nun am besten, diese verdammten Löcher erst in die Vorlage und dann in das gute Fichten- und Ahornholz zu bekommen? Eine gute Lochsäge, vielleicht Dekupier- statt Laubsäge, ein scharfes Schnitzmesser und hoffentlich eine ruhige Hand, oder Beitel, oder Bohrloch an Bohrloch und dann gerade schneiden, oder vielleicht einen Forstnerbohrer und den Rest herausschnitzen? Ich fürchte, da hilft nix außer ausprobieren. Na, dann woll‘n wir mal …

Harfe im Schlafsack für die Regenbogentänzerin

Vor einer Weile hat die Regenbogentänzerin erzählt, dass ihr Lieblingsjuri, also meiner einer, ihr eine Harfe bauen wird. Link1 Eine keltische, um genau zu sein. Ich hab mich dann erst einmal im Netz informiert und DIE keltische Harfe schlechthin gefunden: die Brian Boru Harfe, die im Trinity College in Dublin aufbewahrt wird. Nach meinem Empfinden nicht die schönste Harfe, die je gebaut wurde. Sie wirkt irgendwie klobig. Aber alt ist sie. Die älteste erhaltene Harfe Irlands, ca. 1400. So eine nachzubauen, das hätte ja was. Ich hab auch Klangbeispiele von Nachbauten im Netz gefunden und die haben mich doch sehr beeindruckt. Ganz anders als ich erwartet hatte. Eine Replika klang sogar so silbrig irgendwie. Packt halt jeder andere Saiten drauf.

Ich habe dann nach Bauplänen gesucht, aber nur welche für ähnliche (und ähnlich alte) Harfen gefunden. Aber irgendwie konnte ich mich für keinen dieser Pläne entscheiden. Außerdem waren sie alle nicht ganz billig.

Und nun bin ich fündig geworden. Gesucht habe ich eigentlich nach einem Plan oder einem Baubericht eines Schweinekopf-Psalteriums, aber wie Google so ist, habe ich stattdessen einen kostenlosen Bauplan einer keltischen Harfe gefunden. Nicht von der Brian Boru Harfe, aber von ihrer schottischen Schwester, der Queen Mary Harfe. Diese Harfe stammt von ca. 1450 und wird in Edinburg aufbewahrt. Hier der Link2 zu den beiden Bildern auf der Museumsseite. Einfach mit der Maus über die Abbildung fahren. Man wird mit einem fabelhaft scharfen Zoom belohnt und kann sich die Harfe genau ansehen. Einfach auf einen der beiden Punkte unter dem Foto klicken. Und hier gibts noch ein paar Zusatzinfos Link3

Schön ist sie, nicht wahr? Und diese Verzierungen, sogar farblich hervorgehoben. Sie ist ein wenig kleiner als die Brian Boru, sonst aber sehr ähnlich. Trotzdem wirkt sie auf mich überhaupt nicht klobig, sondern einfach nur wunderschön. Tja und nun hab ich zur Queen Mary die Pläne, gefertigt von einem R.B.Armstrong im Jahre der Göttin 1904. Also sowas von gemeinfrei. Der Mensch, der sich dieser Pläne angenommen und sie ins Netz gestellt hat, verlangt für die Nutzung kein Geld, wünscht sich aber nach dem erfolgreichen Bau eine Spende von 10 englischen Pfund für seine Seite und ein Foto. Von der Harfe natürlich. Wenn alles klappt, dann soll er das auch bekommen. Die Spende hat er eigentlich schon für den Tipp verdient, wie man sich eine Instrumententasche, auf neudeutsch ein Softcase, selber bastelt: aus einem Schlafsack. Darauf muss man erstmal kommen.

 

Nach Dreckkrusten nun über Harzgallen und Totwurm

Hört sich die Überschrift nicht gruselig an?

Aber so gruselig geht’s hier in dem Eintrag nicht weiter, keine Sorge.

Auch durch die Dreckkruste konnte man schon sehen, dass der zukünftige Boden innen zwei Fehler hatte, und zwar Harzgallen. Das Wort kannte ich vorher auch nicht. Zu erkennen als dünner dunkler Strich. Wenn man noch relativ frisches Fichtenholz hat, dann ist so eine Harzgalle, wie der Name schon sagt, mit Harz gefüllt. Bei viel Sonne und Hitze kann das Harz sogar in Bewegung kommen und eine gelbe Träne bilden, daher wohl der Name. Bei so altem Fichtenholz, wie ich es habe (mehrere Jahrzehnte), kann das natürlich nicht passieren. Das Harz ist vollständig eingetrocknet und bildet einen dunkelbraunen bröckeligen Belag an den Innenseiten der Harzgalle.

So eine schmale Harzgalle ist nicht nur ein Schönheitsfehler, den man leicht beseitigen kann. Langfristig ist es auch für die Stabilität des Holzes in diesem Bereich gut, tätig zu werden.

Als erstes kratzt man vorsichtig mit einem sehr dünnen scharfen Messer den bröckeligen Belag weg, sonst hält der Kleber nur an den Bröckeln und nicht am Holz. Dann macht man aus dem transparenten (!) Klebstoff (Uhu z.B.) und Sägemehl ein gut streichbares Gemisch, wie eine zu dick gewordene Soße. Noch besser wäre transparenter Sekundenkleber, der hatte mir aber nicht Zeit genug gelassen, um ihn und das Sägemehl vor dem Auftragen gründlich zu durchmischen. Das Sägemehl stellt man am besten selbst her und zwar aus dem gleichen Holz wie auch das zu reparierende Holz ist, in meinem Fall also Fichte. Besonders feines Mehl bekommt man, wenn man mit einer Japansäge sägt. Einfach darunter eine Zeitung ausbreiten und dann in einen kleinen trockenen Behälter schütten. Das Holzmehl vom Schmirgeln war ungeeignet, weil immer Abrieb vom Schmirgelpapier dabei war, sichtbar als schwarze Pünktchen.

Die Soße wird dann vorsichtig auf die Harzgalle aufgebracht und hineingedrückt. Gegebenenfalls auch von der anderen Seite. Es ist überhaupt nicht schlimm, wenn die Paste großflächiger verteilt wird als man sie braucht. Oder wenn der Auftrag etwas dicker wird als geplant. Denn wenn alles trocken ist, wird sowieso mit wenig Druck (!) geschmirgelt, bis man von der ganzen Aktion nichts mehr sieht.

Um ein Gefühl für die richtige Konsistenz der Soßenpaste zu bekommen, ruhig vorher an einem Stück Holz üben. Das hat mir geholfen, weil meine Paste eher zu dick war und dadurch den kleinen Spalt nicht richtig verschlossen hatte. – Übrigens funktioniert diese Methode auch, wenn an einer Kante ein kleines Stückchen fehlt, aber wirklich nur ein kleines. – Wenn die Harzgalle größer ist, also nicht nur wie ein dünner Bleistiftstrich aussieht, kann man auch noch einen passenden kleinen Holzspan einbetten (natürlich in Wuchsrichtung).

Bei sehr schmalen Harzgallen geht auch sehr gut, für mich sogar noch besser, eine andere Methode, die man für die Beseitigung von Wurmlöchern nimmt. – Dabei hatte ich wieder ein neues Wort gelernt: Totwurm.  Grusel … – Diese Reparatur geht noch einfacher und schneller: Man nehme Sekundenkleber, mache einen Tropfen auf das Loch und schmirgele mit wenig Druck in schnellen Bewegungen hin und her, so dass sich das entstehende Holzmehl mit dem Sekundenkleber vermischt. Das Ganze ist praktisch sofort trocken und dann wiederholt man alles noch einmal. Noch kurz die Rückseite kontrollieren, ob da noch etwas zu machen ist, und das war’s.

Welche Methode man auch nimmt (und ich wette, es gibt noch mehr als diese beiden), nach zwei Tagen kontrollieren, ob die Klebestelle etwas eingesunken ist. Das liegt an dem Klebstoff, der beim Trocknen schrumpft. Ist bei meiner Reparatur auch passiert, ich habe es aber nicht sehen können. Gefühlt habe ich es erst, als ich mit den Fingerkuppen quer zur Maser darüber gestrichen hab. Längs zur Maser hab ich die Delle auch nicht wahrnehmen können. Diese Delle beseitigt man ganz einfach mit der Methode zum Auffüllen kleiner Wurmlöcher. Ist mal eben schnell gemacht.

Nachzutragen ist noch, dass ich zum Schmirgeln kleine Stücke Schleifpapier mit grobem oder mittelgrobem Korn genommen habe. Kleine Stücke deshalb, weil man sie danach nicht mehr weiter verwenden kann, die können dann weg.

Dreckkrusten und Verfärbungen

Das Entfernen der Dreckkrusten auf den Oberseiten von Decke und Boden ging zum Schluss dann relativ schnell, als ich heraus hatte, wie ich am besten dabei vorgehe. Zuerst mit einer scharfen, eher dünnen Ziehklinge der Kruste zu Leibe rücken. Danach konnte ich die Klinge gleich wieder schärfen …

Und dann wurde geschmirgelt, was das Zeug hält. Wie immer beginnend mit dem gröbsten Korn (60), solange bis das helle Holz zum Vorschein kommt. Ich habe einfach das schwarze Schmirgelpapier aus dem Baumarkt genommen. Das ist nämlich nicht nur zum Nassschleifen, wie ich bis noch vor kurzem dachte. Das eignet sich auch ganz hervorragend zum Trockenschleifen. Das „normale“ orangefarbene oder auch das gelbliche Schmirgelpapier hatten gegen die Dreckkruste keine Chance, aber selber viel Abrieb. Es soll auch Stahlwolle für solche Zwecke gehen, das habe ich aber nicht ausprobiert.

Und wie gesagt, dann schmirgeln, was das Zeug hält. Aber nur mit mäßigem Druck. Das schwarze Schmirgelpapier kann ordentlich warm werden, das beruht dann meistens auf zu viel Druck. Oder darauf, dass das Papier an dieser Stelle schon ziemlich abgenutzt ist. Oder auf beidem. Viel zu viel Druck kann zu Kratzern führen, die man dann auch noch beseitigen muss.

Zunächst kann man einfach hin und her, also mit und gegen die Faser schmirgeln. Auch sehr gut geht ein wenig schräges Schmirgeln, schätzungsweise in einem 30°-45° Winkel zur Holzfaser. In meinem Fall hat sich die Kombination von geradem und schrägem Schmirgeln gut bewährt und relativ schnell das helle Holz sichtbar gemacht. Wichtig ist: Niemals! Niemals quer zur Faser schmirgeln. Natürlich weiß man das. Mir ist es trotzdem passiert, als ich einmal schräg zur Faser gearbeitet hab und dann zu einer gerundeten Holzkante kam. Da wurde dann der Winkel langsam größer und größer … und es ist mir noch nicht einmal sofort aufgefallen. Um die Spuren dieses Fehlers zu beseitigen, brauchte es hinterher ganz schön lange… Den Fehler macht man nur ein Mal.

Wenn ich das Gefühl hatte, dass das Zwischenergebnis schon ok ist, aber noch etwas nachgearbeitet werden muss, dann habe ich ganz vorschriftsmäßig das Schmirgelpapier nur noch in Wuchsrichtung bewegt. Damit verschwand dann auch die teilweise noch raue Oberfläche und das Holz fühlte sich richtig gut an.

Langer Rede kurzer Sinn: Und das Ganze mehrmals bis hin zum kleinsten Korn (das mit der höchsten Zahl) wiederholen. In welchen Schritten man sich da vorarbeitet, sei jedem selbst überlassen. Hauptsache, man ist hinterher zufrieden, wie das Holz aussieht und wie es sich anfühlt.

Es ist auch egal, ob man das Holz in einen Schraubstock z.B. einspannt oder es auf dem Schoß bearbeitet. Ich hab das Holz auf dem Schoß bearbeitet und ein Handtuch untergelegt (hab keine Arbeitsschürze). Mir ist es lieber, wenn ich das Holz frei bewegen kann, so dass es für mich und meine Handgelenke immer passt. Außerdem kann ich es dann jederzeit ins Licht halten um besser zu sehen, wo ich noch mehr abschmirgeln muss. Dann empfiehlt es sich aber, das Holz nur mit dem Handtuch anzufassen und nicht direkt mit der Hand, weil es sonst leichte Verfärbungen geben kann, die man noch einmal wegschmirgeln darf. Alternative: Baumwollhandschuhe. Klar gehen auch Plastikhandschuhe, aber wenn’s nicht sein muss…

Nun aber zu Ende erzählt: Auf den Innenseiten von Decke und Boden hatte ich nur die Verfärbung und das Sägerauhe  zu beseitigen, dort gab es keine so harte dicke Dreckskruste. Das hat die Arbeit sehr erleichtert.

Und hier die obligatorischen Vergleichsfotos:

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Es tut schon gut, ein gutes Ergebnis zu erzielen und es auch sofort deutlich zu sehen. Ein angenehmes Gefühl, das auch länger anhält. Sogar noch als mir einfiel, dass ich bei geraden Flächen viel, viel weniger Arbeit gehabt hätte. Es wäre einfacher gewesen, aber es tut gut zu wissen, dass ich mich auch unter erschwerten Bedingungen erfolgreich geschlagen habe. Und das ist ja auch was. 🙂

 

Ziehklingen schärfen mit den Jigs

Das Thema Ziehklingen beschäftigt mich weiterhin – insbesondere natürlich das Schärfen. Deshalb nun eine Schritt-für-Schritt-Anleitung.
1. Kante gerade machen mit der Feile (Jig 1), so dass Kante zu den Seiten in 90°; Ziel: Beseitigen aller Unebenheiten, Scharten usw. Also sehr gut für den ersten Schritt zum Schärfen, wenn die Klinge selbst hergestellt wurde – übrigens es gibt Stahlblech in verschiedenen Stärken zu kaufen, im Internet gibt es sogar bereits zugeschnittene längliche Blechstücke, die Nebenprodukt der Herstellung von Japansägen sind, sehr hochwertiges Material – Wenn Kante absolut gerade und man auf beiden Seiten einen Grat fühlen kann, dann fertig. Ich halte die Ziehklinge entweder mit einem alten Geschirrtuch oder einem Staubtuch. Bei beiden muss man aufpassen, wie viele Lagen man dann in der Hand hat. Wenn es zu viele sind, rutscht die Klinge.
2. Einen groben Schleifstein besprühen mit Wasser, in das man einen kleinen Schuss Spüli gegeben hat. Grund dafür: Der Schleifstein ist gleichmäßig benetzt und wird nicht so schnell (teilweise) trocken. Ich beseitige als erstes die Grate, indem ich die Klinge waagerecht auf den Stein lege und sie ohne Druck auf diesem hin und her bewege, gerne auch in kreisenden Bewegungen. Erst aufhören, wenn kein Grat mehr zu fühlen und wenn man sieht, dass das Ganze Glanz bekommt.
3. Dann senkrecht mit meinem Jig auf dem mittleren Schleifstein und dann wieder die kleinen Grate entfernen. Ziel: Alles im perfekten 90° Winkel. Wenn konvexe Klinge, dann mit etwas Druck senkrecht über Stein ziehen und dabei „rollen“, also den ganzen zu schärfenden Bereich erfassen. Man braucht mehr Züge bei konvexen Klingen.
4. Dasselbe auf dem feinen Schleifstein. Und dann muss es überall glänzen. – Hinweis im Netz gefunden, dass zum Ende ein japanischer 3000er Stein sehr gut sein soll. Weil Diamantsteine nur zum Schleifen gut sind, aber nicht zum Abrichten. Der 3000er wäre dann so eine Art Übergang zum Abrichten, der soll das Abrichten abkürzen, möglicherweise auch das Ergebnis verbessern (zu einer größeren und gleichmäßigeren Schärfe führen). Wenn ich mal 15 € übrig hab, besorg ich so einen und berichte hier über das Ergebnis. – Das Abrichten umfasst alle Arbeiten mit dem Ziehklingenstahl. –
5. Der erste Schritt des Abrichtens: die Klinge flach auf den Tisch und dann ziehe ich mit dem runden Ziehklingenstahl längs der zu schärfenden Kante entlang. Ruhig ein paar Male. Ich muss die ganze Länge des Stahls ausnutzen, um gerade zu bleiben.
6. Dann ist Zeit für Jig 3. Den Burnisher in ein gerades Loch und einige Male die Klinge darüber ziehen. So lange, bis ein Grat zu fühlen ist, der gleichmäßig groß, aber nicht größer als beispielsweise ein dickes Tierhaar. Kontrollieren, das Schneide schön glänzt. Wenn sie das tut, ist das ein Zeichen dafür, dass man diesen Schritt gut gemacht hat.
7. Dann wechseln zu der schrägen Einstellung. Für mich am besten das schrägere Loch in dem Klotz. Sehr gleichmäßig ziehen. Kontrollieren, ob gleichmäßiger Grat, sonst weiter ziehen. Klinge drehen und damit die andere Seite der Schneide herstellen. Wenn alles gut, dann sauscharf auf beiden Seiten. Probe: Klinge etwas einbiegen und damit über ein eher hartes Holz ziehen. Wenn Locken, dann gut. Wenn nur Staub, dann ab Nummer 2 oder ab Nummer 4 noch einmal. – Bei mir haperte es an Schritt 5, das war nicht oft genug gewesen. – Wenn Klinge schön scharf, dann hört man auch, wie sie schön fasst. Stumpf unnd scharf macht unterschiedliches Geräusch. – Wenn Grat nicht gleichmäßig, wird auch die Klinge ungleichmäßig hobeln. Sie ist dann wie ein bißchen schartig. Kann unter Umständen sogar noch Kratzer in Hobelfläche reinmachen.
Erfahrung: am allerbesten gehen gerade Ziehklingen. Die stehen mit ihrer ganzen Kante auf Feile und Schleifstein, ich muss sie nur hin und her ziehen. Mit den Jigs ein leichtes. Auch beim Ziehklingenstahl im Block gehen die geraden Klingen besser als die konvexen. Weil eben das Gerade-längs-Ziehen (vor allem mit beiden Händen) viel problemloser ist als diese Mit-Druck-Rundbewegung, die ich nicht gleichmäßig gerade hinbekomme. Auch wenn so viel Druck gar nicht auszuüben ist. Hier zeigt sich auch ein Unterschied zwischen dicken und dünnen konvexen Klingen. Die dicken lassen sich nicht so leicht biegen, so dass ich das Ergebnis gleichmäßiger hinbekomme. Wenn ich eine dünne festhalte und ein Wegrutschen verhindern will, passiert es schnell, dass ich sie in sich verbiege. Das Ergebnis ist dann eine stumpfe Klinge mit hier und da ein paar scharfen Stellen.
Im Moment brauche ich keine Ziehklingen, weil ich Decke und Boden bereits fertig habe. Aber für das nächste Mal Schärfen werde ich ein weiteres Jig basteln und zwar einen Ziehklingenhalter und zwar nach dieser Anleitung heiko-rech.de/download/pdf/die_ziehklinge.pdf. Ebenso habe ich den Jig für konkave Ziehklingen noch nicht fertig gemacht. Damit warte ich noch, bis es soweit ist, nämlich beim Hals.
Ich hab erstmal genug von Jigs, mehr als genug. Klar hat es gute Gefühle gemacht, diese Hilfsmittel zu erfinden und zu basteln. Wer hätte gedacht, dass man sowas überhaupt braucht, also wirklich benötigt und dass man in sowas so viel Nachdenken und Kreativität stecken muss? Aber es sind nur Hilfsmittel, nicht das eigentliche. Ich will beim Instrument weiter kommen, das lockt viel mehr. Da gibt es immer noch hier und da Rätsel zu lösen. Irgendwie freue ich mich sogar dadrauf. Und ich möchte jetzt beim Instrument selbst Fortschritte sehen und spüre sogar etwas Ungeduld. Und schon etwas Vorfreude. 🙂